Heute ist es soweit, mein Einzug bei Rocky jährt sich zum ersten Mal. Hier noch einmal mein Bericht und Dank an alle Beteiligten.

Tanuschka, 1 Jahr im eigenen Heim
Am 17. Mai 2025 war es endlich so weit: Nach mehreren Besuchen durfte ich bei Rocky, dem alten Bordercollie einziehen. Wie war das gruselig: Pflegemutter Miriam war plötzlich verschwunden, nachdem sie mich immer wieder so komisch angeschaut hatte und ich war ganz alleine mit Rocky und den fremden Menschen in dem fremden Haus. Die sahen mich auch so komisch an, waren aber zurückhaltend und haben nur überall kleine Leckerchen verteilt. Das war mir egal, erstmal das Haus untersuchen, immer wieder, auch ob es irgendwo einen Ausweg gibt. Es gab aber keinen und so blieb mir nur das Bett von Rockys Frauchen Anna als Zuflucht. Die ist auch ganz in Ordnung und ich habe sogar akzeptiert, dass sie mich vorsichtig streichelt. Der andere Mensch soll bloß wegbleiben, der ist mir unheimlich.
Die ersten Nächte war ich unruhig, wieder und wieder durchs Haus und dann wieder auf’s Sofa, anscheinend dem einzigen sicheren Ort hier. Draußen war es vergleichsweise ruhig, zunächst nur Wiesen und Felder, aber trotzdem viele fremde Geräusche, mein Misstrauen war groß. Schon ein klirrendes Schlüsselbund und das Rascheln einer Regenjacke versetzte mich in Panik. Einmal bin ich voll in eine Heckenrosenhecke gesprungen. An Pinkeln und anderes war in dieser Situation gar nicht zu denken. Das ging erst, als es gar nicht mehr anders ging.
Ganz langsam konnte ich mich aber an die ganzen komischen Sachen hier gewöhnen, und es gab ja auch Interessantes: Die Rehe, die hier manchmal im Garten erscheinen, die Störche, die auf ihren hohen Nestern klappern, ein dicker Kater und Laufenten vom Nachbarn, die ums Haus streifen. Dann kam aber plötzlich Besuch: Der Nachbar und die Nachbarin selbst, das war gruselig. Niemals lass ich mich von denen anfassen! Zum Glück gingen die irgendwann wieder. Wo sie gesessen hatten, musste ich dann aber doch mal riechen, wie die riechen. Auch Herrchens Bruder und Neffe tauchten einmal auf, unmöglich. Die standen noch in der Einfahrt, da sprang ich schon im Dreieck. Irgendwann kamen die großen Kinder von Frauchen Anna zu Besuch, da war ich schon etwas sicherer. Die Fast-Schwiegertochter, Tierarzthelferin, konnte mir sogar die Krallen schneiden. Die Kinder kamen öfter, und inzwischen ist das O. K., sogar nett, ich freue mich dann.
Mit Herrchen war das so eine Sache. Sicherlich nett und freundlich, aber ich traute dem Braten nicht, immerhin ist das ein Mann! Da machte ich lieber einen großen Bogen, und Streicheln ging überhaupt nur, wenn Frauchen dabei war, und nur ganz kurz.
Die haben mich aber überlistet: Plötzlich nahm nur noch Herrchen mich morgens mit in die Feldmark, superlange Leine und los ging’s. Ich musste mich aber alle paar Schritte umblicken und sichern, dass nichts passiert. Der ging die ganze Zeit hinter mir! Aber wie das so ist, man gewöhnt sich an alles. Irgendwann ging dann auch das Lösen ohne Probleme und die Gänge machten richtig Spaß. Besonders mit Gummistiefeln quer durch die nassen Wiesen, das ist prima. Und man lernt ja auch: Irgendwann habe ich gemerkt, dass es Schimpfen und Schimpfen gibt. Das erstere ist gar keins, sondern Hinweise, was ich tun und was ich lassen soll. Und dann das andere „Tanuschka, was machst Du denn da?“. Das klang wie Schimpfen, war aber scherzhaft gemeint. Seit ich das geschnallt hatte, haben wir eine Menge Spaß: Er schimpft und ich rase an der Leine über die Wiesen, beisse in den moorigen Boden und verstecke mich im hohen Gras. Muss man erstmal draufkommen.
Unterwegs treffen wir immer mal wieder Leute, die mich schon ganz am Anfang erlebt haben. Die wundern sich dann, wie offen und interessiert ich geworden sei. Das stimmt wohl, neugierig bin ich schon sehr und Neugier hilft bei Ängsten.
Tierarzt war komischerweise nie ein Problem. Anfangs mussten wir ein paar Mal hin, eine Hefepilzinfektion im Ohr, Test auf Mittelmeerkrankheiten und so weiter, aber da war ich immer ganz cool. Außerdem fährt der Behandlungstisch rauf und runter, super.
Ein paar Meilensteine gibt es noch, die ich erreichen will. Zum Beispiel meine Leute davon überzeugen, dass sie mal die Leine abmachen können. Wir waren schon im großen Hundeauslauf und ich bin schließlich immer wieder gekommen. Da dürften sie etwas mutiger sein.
Fazit: Prima Jahr gewesen, Danke an alle, die mir dazu verholfen haben, aber ich bin ein Hund und damit im Hier und Jetzt. Go ahead!


